Concerto Köln spielt 6. Sinfonie von J. W. Wilms beim Beethovenfestival 2002 (2.10.2002 im Kursaal Bad Honnef)

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MUSIK aus dem 3. Satz, Flötenkonzert, Johann Wilhelm Wilms
Concerto Köln im Kursaal Bad Honnef am 2.10.2002
Concerto Köln's Turkish delight (Gramophone Press Release 3.10.2002)
"Meine erste Begegnung mit Wilms liegt unendlich lange zurück. Da war ich vielleicht 13, 14, 15 Jahre alt. Mein Vater leitete das niederrheinische Volkslied-Archiv, hatte einen alten Eichenschrank. Und da hab ich gefunden, einen Satz, gedruckter Orchesterstimmen zu den Orchestervariationen zu "Wilhelmus von Nassauen" von Johann Wilhelm Wilms. Ich spielte zu diesem Zeitpunkt Cello und stellte fest, in diesem Orchestervariationen gab's auch ein Solo-Cello, und ich konnte dann meinen Vater dazu bewegen, in dem Schulorchester dieses Stück mal zu spielen."
MUSIK " Wilhelmus-Variationen"
Zum Abschluss seines Studiums schrieb Ernst Klusen eine Dissertation über den Komponisten. Und forschte zunächst am Geburtsort von Johann Wilms im Bergischen Land.
"Ich bin einfach mal in die Kirche von Witzhelden gestiefelt. An alle Details kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiß nur dass die Leute alle sehr freundlich und hilfsbereit waren, aber dass alles nicht so recht glauben konnten, die gingen sehr auf Distanz, wenn ich sagte: Ja, ja, das ist ein ganz bedeutender Komponist gewesen. In seiner Zeit war er mal richtig bekannt und er hat auch sehr, sehr gute Sachen geschrieben. Das konnten die sich gar nicht vorstellen."
Johann Wilms stammte aus ärmlichen Verhältnissen: Seine Mutter starb, als er vier Jahre alt war. Sein Vater, ein Dorfschullehrer und Organist brachte die Familie durch, indem er nebenbei Landwirtschaft betrieb und einen kleinen Kramladen führte. Bei seinem Vater lernte Johann Wilms Musiktheorie und Klavierspiel. Mit 19 Jahren beschloss er, nach Amsterdam zu gehen.
"Das war ultimative Adresse. Die ganzen Geschäftsleute und Fabrikanten des Bergischen Landes waren rein westlich orientiert. Deren Firmenfilialen lagen in Holland, in Bremen und in London. Von den Städten war Amsterdam die nächste. In Amsterdam lebten aufgrund des ständigen Transfers der wirtschaftlichen Beziehungen und des kulturellen Austauschs viele Deutsche, und Niederländisch war die verbreiteteste Fremdsprache im Bergischen Land."
Im Amsterdam nahm Wilms Unterricht in Harmonielehre und Komposition und hatte bald Erfolg als Pianist und Komponist, der auch für seine menschlichen Qualitäten bekannt war.
"Ein unglaublich verlässlicher, pflichtbewusster, treuer Freund. Er muss hilfsbereit gewesen sein. Und Unbestechlich. Wenn Musiker nicht ernst genommen wurden, wenn wohlhabende Dilletanten die Geschicke der Musik und der Musiker bestimmten, da konnte er ganz giftig und sarkastisch werden. Aus seiner Musik spricht ein starker Humor, das ist vergleichbar mit dem Humor von Haydn. Er treibt da richtige Spiele zwischen zwei oder auch mehr Musikern. Man sieht förmlich verspielte Situationen, wenn man hört, wie die sich die Motive abjagen. Er hat einen unglaublichen Eindruck als Improvisator hinterlassen, wobei solchen Bemerkungen der Zusatz folgt, sein Spiel sei alles andere als bloßes Herumphantasieren gewesen. Darauf fußte dann auch seine gesunder Karriere innerhalb Amsterdams."
Eine Karriere, die 56 Jahre andauerte. Sicher, ein Revolutionär war Johann Wilms nicht.
"Wilms will unterhalten, er will die klassische Sinfonieform nicht zerschlagen. Er will auch keine Programmmusik machen, er will auch nicht durch Anleihen in der Opernmusik die Musikgattung dramatisieren. Er bleibt bis zu seiner letzten Sinfonie vom architektonischen Grundriss her bei der Sinfonie des späten Haydn. Und was er darein packt und wie er damit umgeht und in welche Welten, in welche Sphären er da auch vordringt, das ist dann allerdings beachtlich."
In die niederländischen Geschichtsbücher ist Johann Wilhelm Wilms eingegangen als Komponist der ersten Nationalhymne. Nach dem Wiener Kongress entstand die Niederlande als Nationalstaat. Also musste auch eine Hymne her, die Johann Wilms 1817 schrieb und die von einer Jury ausgewählt wurde. Finanziert wurde das ganze Vorhaben durch einen greisen Seeoffizier.
"Die Sache ist ein bisschen peinlich, weil er war auch Mitglied in der Jury. Es war politisch überhaupt nicht korrekt. Der greise Seeoffizier verfügte über ein ziemliches Vermögen und organisierte die Popularisierung. Italienische Sängerinnen wurden aufgefordert, nach ihren Konzertarien das Lied zu singen, Glockenspieler bimmelten das von den Glockenspielen, in der Kirche wurde es gespielt auf den Orgeln. Hans von Bülow konnte sich nicht verkneifen, sie als Groschenbasaar-Hymne abzutun, was natürlich dem Nachruhm von Wilms auch nicht so besonders bekommen ist."
Als im vergangenen Herbst die 6. Sinfonie von Johann Wilms im Rahmen der Bonner Beethoven-Festes aufgeführt wurde, gründete Ernst Klusen mit andere Musikbegeisterten die "Internationale Johann Wilhlem Wilms Gesellschaft". In zahlreichen Quellen wie Programmankündigen tauchen Klavierkonzerten, Sinfonien, zwei Oboenkonzerten auf, die als verschollen gelten. Danach will die Gesellschaft nun suchen.
"Bei Wilms geht mit das so, dass ich mehr wittere als beweisen kann, dass hier einer zu anderen Sphären, zu anderen Ausdruckwelten aufgebrochen ist."
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1772 als Sohn des lutherischen Schulmeisters und Organisten im rheinisch-bergischen Kirchdorf Witzhelden geboren und dort am 30. März getauft, erhielt Johann Wilhelm Wilms seine musikalische Ausbildung zunächst durch den Vater, dann von einem älteren Bruder und dem Pfarrer der Neunhundertseelengemeinde.
Die Flöte und vor allem das Klavier waren seine bevorzugten Instrumente, und früh schon - so ließ er einen Biographen später wissen - hat er damit begonnen, seine "Gedanken in mehrstimmigen Musikstücken zu Papier zu bringen."
Nach Aufenthalten als privater Musiklehrer in Lüttringhausen und Elberfeld übersiedelte Wilms 1791 in die Musikmetropole im Nordwesten des Kontinents, nach Amsterdam. Hier nahm er Unterricht bei Georg Casper Hodermann und erwarb sich in einflussreichen Salons der Stadt rasch den Ruf eines außergewöhnlichen Klaviervirtuosen und unerhörten Improvisators. Mit Aufführungen eigener Konzerte und solcher von Dussek, Mozart, Steibelt und Sterkel festigte er sogleich seinen Ruhm auch Amsterdams führender Klaviersolist zu sein.
Ab 1793 erschienen Druckausgaben seiner Kompositionen, und nun kam neben dem Pianisten auch der Tonsetzer Wilms als Lehrer in Mode.
1796 gründete Wilms mit fünf anderen jungen Berufsmusikern ein sich selbst verwaltendes Orchester, das Collège Eruditio Musica - die revolutionäre und überaus erfolgreiche Alternative zum herkömmlichen Konzertwesen in Amsterdam. Eine diesem Ensemble gewidmete Symphonie, sein opus 9 in C-Dur, brachte ihm schlagartig internationale Anerkennung.
Wachsendem Interesse an Neuerscheinungen von ihm konnte Wilms nur bedingt entsprechen, weil die den Unterhalt seiner Familie sichernden Verpflichtungen als Privatmusiklehrer wie als Flötist das Komponieren größerer Werke auf die orchester- und unterrichtsfreien Sommermonate beschränkten. So warfen denn Verleger bisher ungedrucktes Frühwerk - zum Teil mit zu hohen, Aktualität suggerierenden Opuszahlen versehen - auf den Markt und lösten dadurch Irritationen aus.
Wilms' Berufung in die gerade erst gegründete Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste zu Amsterdam (1808), der alles überbietende Erfolg seiner Wilhelmus-Variationen für Orchester (1813ff.) und endlich der Doppelsieg im Wettbewerb um eine Nationalhymne (1817) bescherten dem Komponisten im Inland enormen Zuwachs an Popularität - ein Geschenk von höchst zweifelhaftem Wert, da ihm nun noch mehr zeitraubende Ehrenämter und mäßig bezahlte Gelegenheitskompositionen angetragen wurden; sie beschlagnahmten jetzt auch den Rest jenes spärlichen Freiraums, den seine Tätigkeiten als Flötist, Pianist, Klavier- und Kompositionslehrer ihm in früheren Jahren noch für freies Komponieren übriggelassen hatten. So wurde es um "einen der geistreichsten, lebhaftesten und ausgebildetsten Künstler" (AmZ 1807) im Ausland allmählich stiller.
Seine Situation war ihm schmerzhaft klar: "Ich bin nur ein armer musikalischer Taglöhner", gestand er im Herbst 1823 dem in Amsterdam gastierenden Johann Nepomuk Hummel. Auch ein erster Preis der Société Royal des Beaux-Arts in Gent für seine nach langer Pause entstandene sechste Symphonie in d-Moll (1820) hatte daran nichts ändern können.
Nach dem frühen Tod seiner Frau (1821) organisierte Wilms den schrittweisen Ausstieg aus dem öffentlichen Konzertbetrieb - nicht aber aus all den anderen alten, zeitraubenden Verantwortlichkeiten. Neue Verpflichtungen kamen hinzu: 1823 trat er die Organistenstelle bei der Mennonitischen Gemeinde "Het Lam" an; zwischen 1824 und 1838 übernahm er ein- bis zweimal pro Jahr die Komposition großangelegter Festkantaten, und seit 1829 rechnete auch die Gesellschaft Toonkunst mit ihm als jederzeit verfügbarem Gutachter.
Durch ständigen Einsatz für das Bessere in der Kunst tief in die Verwaltung des Mäßigen verstrickt, fand Wilms mit Beginn der 1830er Jahre dennoch Kraft und Zeit für ein erstaunlich eigenwilliges Spätwerk: außer einer Konzert-Ouvertüre in E-Dur, drei Orchesterliedern und seinem zweiten Flötenkonzert, dem Concertino g-Moll, schrieb Wilms nun auch wieder - nach mehr als zehnjähriger Pause - eine Symphonie, die siebte und letzte, seine zweite in c-Moll. Deren glutvolle "Mitteilungen an den inwendigen Menschen" entstanden, als der Stern des sechzigjährigen Komponisten schon im Begriff war zu verlöschen und nur wenigen kleineren Arbeiten noch die Ehre einer Drucklegung erwiesen wurde.
So blieb auch Wilms' Siebte Symphonie Manuskript und dieses verschwand schließlich, nachdem ein einziger Satz daraus ein einziges Mal - auf dem Toonkunst Feest von 1836 - gespielt worden war. Während die Orchesterstimmen für diese Aufführung verschollen blieben, tauchte die Partitur nach einer Suchanzeige des Komponisten im Amsterdamsche Courant vom 24. Mai 1837 wieder auf und gelangte in den Besitz des Wilms-Schülers C.C. von Schmitt, der das Manuskript, zusammen mit neun weiteren Werken seines Lehrers spätestens im Jahre 1853 der Gesellschaft Toonkunst schenkte.
Herrn W.H.J. Dekker, dem Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der Stichting Toonkunst-Bibliotheek in Amsterdam, sei an dieser Stelle für die Erlaubnis zur Erstausgabe der letzten Symphonie von Johann Wilhelm Wilms herzlich gedankt.
Bonn, im Januar 2003
Ernst A. Klusen
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Period-instrument orchestra Concerto Köln has signed an exclusive five-year deal with Deutsche Grammophon.
The first recording from the collaboration will be a Turkish-themed disc called Dream of the Orient. Turkish-influenced music by Mozart, Gluck, Joseph Martin Kraus, and Franz Xaver Süssmayr will sit alongside works by Turkish composers Gazi Giray Han and Ali Ufki, plus traditional Turkish music performed with the Ottomanic early-music specialist ensemble Sarband.
DG Gesellschaft’s early-music label Archiv Produktion will release the CD early next year, and Concerto Köln and Sarband will tour the programme in Europe in 2003, followed by the US and a London Prom in 2004.
Other recording plans include works by Dutch composer of German birth Johann Wilhelm Wilms, Czech composer Josef Myslivecek, and a possible Classical arias recital with Czech mezzo-soprano and DG artist Magdalena Kozená.
Concerto Köln was founded in 1985 to explore 18th-century orchestral and operatic music, often by neglected composers such as Joseph Martin Kraus, Antonio Locatelli, Johann Baptist Vanhal, Anton Eberl, and Evaristo Felice Dall’Abaco. In 1992 they won the Gramophone Baroque Vocal Award for Handel’s Giulio Cesare conducted by René Jacobs (Harmonia Mundi, 4/92), and have also recorded for Teldec and Capriccio, among others.
Michael Lang, general manager of DG, said part of Concerto Köln’s appeal was their ‘interest in music and musicians from cultures beyond the Western-European classical tradition.’
Martin Cullingford, Gramophone News and Online Editor