Wilms Konzert am 18. August 2000 in Witzhelden

Das Konzert am 18. August 2000 stellte einen vorläufigen Höhepunkt der allmählichen
Heimkehr von Johann Wilhelm Wilms nach Witzhelden dar, nicht einen Endpunkt.
Zu wünschen wäre, daß im neuen Jahrtausend nicht nur seinen (ihm womöglich sogar
verwandtschaftlich verbundenen!) Landsleuten, sondern einem stets wachsenden
Publikum der große Witzheldener vertraut wird - nicht als Museumsfigur oder
Legende, sondern auf viel persönlichere und direktere Art: durch den Klang seiner
Musik. Text: Jan Marc Reichow Illustrationen: Christian Starke
Daß dieser Klang auch heute noch lebendig und zugänglich sein kann, zeigt sich
paradoxerweise erst bei Verwendung von originalen (oder originalgetreu nachgebauten)
Instrumenten aus der Entstehungszeit dieser Musik: durch den feineren, mehr
die Aufmerksamkeit des Hörers hervorlockenden als erzwingenden Klang einer edelhölzernen
Traversflöte, eines Violoncellos mit Darmsaiten und eines Fortepianos mit belederten
Hämmerchen können selbst moderne, von allerlei elektrisch verstärkten Klängen
gequälte Ohren noch den Klang und die Klänge der Zeit um 1800 erahnen. (Erst
in den letzten Jahrzehnten hat sich ja bei vielen Musikern ein verändertes Verständnis
der Rolle des sog. Fortschrittes im Instrumentenbau gebildet; die moderne metallene
Querflöte, der moderne Steinwayflügel, das mit Stahl besaitete Streichinstrument
haben so viel oder wenig mit der hölzernen Traversflöte, dem Fortepiano/Hammerklavier,
dem darmbesaiteten alten Cello zu tun wie etwa ein moderner Reisebus mit einer
Postkutsche. Daß bei all dem technischen Fortschritt viele spezifische Qualitäten
am Wege zurückgeblieben sind, erweist sich ständig neu: je älter die Instrumente,
desto jünger der Klang! Immer deutlicher wird, daß die zahlreichen großen Komponisten
der Vergangenheit, die auch anerkannte Meister auf ihren Instrumenten waren
(J.S.Bach und seine Söhne etwa, Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Brahms, Liszt!),
die Instrumente ihrer Zeit bis zur optimalen Ausschöpfung aller klanglichen
Möglichkeiten gebrauchten - und nur ganz selten darüber hinaus. Auch Johann
Wilhelm Wilms schrieb nicht für irgendwelche Instrumente der Zukunft; er war
auch als Instrumentalist ein Profi und beherrschte sowohl die klassische Traversflöte
als auch das Hammerklavier meisterhaft; dies zeigt sich in jedem Takt seiner
Kompositionen und macht sie zu dankbarem Repertoire, für Musiker wie Publikum.
Es müßte also in diesem Sinne fast als selbstverständlich gelten, daß am 18.August
2000 nicht nur der Aufführungsort höchst authentisch ist - nämlich dieselbe
Ev. Kirche Witzhelden, in der die musikalische Laufbahn des jungen Wilms begonnen
hatte - sondern auch daß die zu diesem Anlaß nach Witzhelden eingeladenen Musiker
sich in langjährigem Spezialstudium das Spiel und die Aufführungspraxis der
klassischer Musik auf Originalinstrumenten angeeignet haben.
Aus Wilms' reichem Œuvre gibt es noch reiche und zahlreiche
Schätze zu entdecken; in dem Konzert am 18.August 2000
erklingen ausgewählte Beispiele seiner unterhaltsamen
Kompositionskunst: neben kürzeren Klavierwerken (Variationen
über die Ariette Seit ich so viele Weiber sah) auch ein
Variationenwerk für 2 Traversflöten (über jene Hymne
"Wien Neêrlandsch Bloed", der allein sich die Bekanntschaft
von Wilms' Namen über seinen Tod hinaus in den Niederlanden verdankt)
und außerdem ein Werk für die Kombination von Wilms' eigenen
Instrumenten: Flöte und Fortepiano.
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