Concerto Köln spielt zwei Sinfonien von Johann Wilhelm Wilms. „Schon das Bestreben nach einer gewissen innern Gediegenheit, nach dem Höheren, Bedeutungsvollen, dass man es weniger streng nimmt, wenn freilich auch diese Symphonie jenem Maßstabe, den die anfangs gedachten genialen Meister nun einmal aufgestellt haben, sich nicht recht fügen will.“ Kein Geringerer als E.T.A. Hoffmann schrieb diese Kritik über die c-Moll-Sinfonie op. 23 von Johann Wilhelm Wilms im Jahre 1813, und die „genialen Meister“, an die der Gewürdigte angeblich nicht heranreichte, waren Haydn, Mozart und Beethoven. Concerto Köln hat jetzt nicht besagtes Werk, sondern Wilms' letzte, 1820 und Anfang der 30er Jahre entstandenen Sinfonien (Nr. 6 und 7) eingespielt (Archiv Produktion). Der Komponist wurde 1772 im bergischen Witzhelden geboren, ging aber bereits 1791 nach Amsterdam, wo er bis zu seinem Tod 1847 ausharrte. Die neue Aufnahme bestätigt Hoffmanns Urteil: „Innere Gediegenheit“, „Streben nach dem Höheren, Bedeutungsvollen“ - auf jeden Fall. Aber ein „bergischer Beethoven“ ist Wilms nicht. Die Partitur ist gründlich durchgearbeitet, es fehlt weder die motivische Konstruktion noch die polyphone Finesse. Auf der anderen Seite bedient Wilms, dessen durch häufige Tiefalterationen geprägte Harmonik bereits der frühen Romantik zuneigt, relativ widerstandslos die überlieferten Formmodelle. Sie verflachen bei ihm klassizistisch, setzen keine produktiven Impulse mehr frei. Der langsame Satz der sechsten, der d-Moll-Sinfonie, ist ein Rondo mit einem liedartigen Refrain, der nicht einmal den Versuch macht, aus dem starren Periodenschema auszubrechen. Wenn man diese Musik trotzdem gerne hört, dann vor allem wegen der großartigen Performance, wegen des dramatisch erhitzten und auch flauen Stellen Beine machenden Spiels Werner Ehrhardts und seiner Mannen. Da gibt es zündende Crescendi und mitreißende Tutti-Explosionen, wunderbar transparente Bläserstellen und reichhaltigstes orchestrales Kolorit. (MaS)
Bekennende Wilms-Fans
KStA vom 21.08.00
Beide sind sie bekennende Wilms-Fans: Ernst A. Klusen, der Musikwissenschaftler aus Bonn und Marc Reichow, der Pianist aus Solingen. Beiden ist es Anliegen, Leben und Werk des Witzheldener Lehrersohnes Johann Wilhelm Wilms dem Vergessen zu entreißen, in das Werk und Biografie lange versunken waren.Ein Konzert in der Evangelischen Kirche bot dazu am Freitag Gelegenheit. Und auch die Aktionsgemeinschaft Witzhelden e.V., hat ihren Beitrag geleistet: Seit letztem Samstag erinnert eine Gedenktafel an Wilms' Geburtshaus Am Markt an den Musiker und Komponisten.Klusen, der schon 1975 seine Doktorarbeit über Wilms geschrieben hatte, erzählte von dessen Leben und Wirken in Amsterdam. Dorthin war er nach kurzer Lehrtätigkeit in Lüttringhausen und Elberfeld gezogen und bis zu seinem Tode geblieben - als Lehrer, Pianist, Flötist und Komponist.Neben einigen Fakten aus Wilms' Lebenslauf erfuhren die Zuhörer in der gut besetzten Kirche von seiner vielschichtigen Persönlichkeit, die Klusen blumig beschwor, der musikalischen Bedeutung des "vergessenen Meisters" neben der Wiener Klassik und wie wichtig die Wiederbelebung von Wilms' Schaffen für die Musikszene im Allgemeinen und die Hebung des lokalen kulturellen Selbstbewusstseins im Besonderen sei.Marc Reichow hatte dann den einfacheren und überzeugenderen Weg gewählt, an Wilms zu erinnern: er musizierte ihn am Hammerklavier. Julia Dickson und Christian Starke (Traversflöten) und Frank Wakelkamp (Cello) waren ihm dabei in wechselnder Besetzung mit erfreulicher Kompetenz behilflich. Die ausgewählten Stücke bestätigten die beiden großen Stärken von Wilms. Er muss ein brillanter Klavierspieler gewesen sein und beherrschte auch wohl das Spiel auf der Traversflöte. Seine Kompositionen schöpfen die Spielmöglichkeiten der Instrumente voll aus und geben so den Musikern die Möglichkeit zu glänzen. Julia Dickson, die schon vor zwei Jahren mit Reichow ein Wilms-Konzert gab, ist unverändert, technisch wie musikalisch, begeisternd. Christian Starke, ein Amateur von professioneller Qualität, war ihr ein ebenbürtiger Duo-Partner. Die große kammermusikalische Erfahrung von Frank Wakelkamp ist unüberhörbar.Und dass er auch bei schwierigsten Passagen nicht darauf verzichtet, sein Cello singen zu lassen, ist einfach schön. Schließlich Reichow selbst: Er hatte sich exzellent auf das Konzert vorbereitet, spielte mit der Präzision eines Uhrwerkes und holte auch musikalisch alles aus den Stücken, was zu holen war. Die vier Musiker haben sich um Wilms große Verdienste gemacht, und die Zuhörer dankten es ihnen mit ebenso großem Beifall.
RP vom 11.05.00
Witzheldener Sommerserenade beginnt am 16. Mai
WITZHELDEN (RP). Das Interesse an den Witzheldener Sommerserenaden war auch im
vergangenen Jahr so groß, dass die Reihe im Mai und Juni fortgeführt wird.
Wie gehabt finden alle Konzerte, dieses Mal sind es vier, jeweils dienstags um
19 Uhr in der Evangelischen Kirche im Witzheldener Zentrum statt. Veranstalter
sind der Verkehrs- und Verschönerungsverein Witzhelden und das Kulturamt der Stadt
Leichlingen.
Die bunteste Stilmischung von Renaissance bis Ragtime gibt es beim
Abschlusskonzert der diesjährigen Sommerserenade am 27. Juni. "Duophonie",
das sind Ruthilde Holzenkamp (Akkordeon), Petra Naethbohm (Blockflöte) und als
Gast Christian Starke (Blockflöte), spielt unter anderem Werke von Johann Wilms
aus Witzhelden.
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