
Federzeichnung von H.W. Caspari (Copyright: Gemeentemuseum, Den Haag)
JOHANN WILHELM WILMS
geboren im März 1772 in
Witzhelden
gestorben 19. Juli 1847 in Amsterdam
| Vater: Lehrer, Organist, Küster und Opfermann. Er unterrichtet den Sohn in Musik. Als Musiklehrer geht Wilms nach Lüttringhausen und Elberfeld, 1791 nach Amsterdam. Dort erfolgreicher Klaviersolist, Flötist im Orchester Felix Meritis. Mitbegründer der Musikgesellschaft Eruditio Musica 1796. Komponist der niederländischen Nationalhymne "Wien Neêrlands Bloed ..."*. Werke: Klaviermusik; Kammermusik für Flöte, Streicher und Klavier; Lieder; Streichquartette; Ouvertüren; Solokonzerte und 7 große Sinfonien. |
Bei aller Bescheidenheit
("ich bin nur ein kleiner
musikalischer Taglöhner")
Bekanntheit in ganz Europa.
| * Das Wilhelmus ist seit dem 10. Mai 1932 die niederländische Nationalhymne. Bis zu dieser Zeit war 'Wien Neêrlandsch Bloed' ("Wes niederländisch Blut") offizielle Nationalhymne. Ihr Text, ein Gedicht, war 1815 anlässlich der Gründung des Königreichs der Niederlande von H. Tollens verfasst und von J.W. Wilms vertont worden. Obiger Text ist der Tafel entnommen, die am Geburtshaus in Witzhelden angebracht ist (Text: Jan Marc Reichow). |
Zwei weitere Wilms-Zitate:
| „Man sagt, heute sei Neujahr. Punkt 24 Uhr sei
die Grenze zwischen dem alten und dem neuen Jahr.
Aber so einfach ist das nicht. Ob ein Jahr neu wird,
liegt nicht am Kalender, nicht an der Uhr. Ob ein Jahr neu wird,
liegt an uns. Ob wir es neu machen, ob wir neu anfangen zu denken,
ob wir neu anfangen zu sprechen, ob wir neu anfangen zu leben.“ |
| „... wenn ein Musikstück gut ist, spielt es keine Rolle, welcher Nation der Verfasser angehört, sei er auch Türke oder Chinese ." |
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Fortepiano aus der Zeit von Wilms
(Kopie von Fa. Sassmann / Hückeswagen)
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Wilms in der GROVE-Encyclopedia
JOHANN WILHELM WILMS
| (bap. Witzhelden, nr Solingen, 30 March 1772; d Amsterdam, 19 July 1847). Dutch composer of German birth. He received some lessons in piano and theory from his father and his eldest brother; he later studied the flute. In 1791 he went to Amsterdam, where he became a piano teacher. He was second flautist in the orchestras Felix Meritis and Eruditio Musica, where as a pianist he also introduced concertos by Mozart and Beethoven. He became one of the most important musicians in the Netherlands, being on several committees, including the music faculty of the Koninklijk Nederlandsch Instituut voor Wetenschappen, Letteren en Schoone Kunsten in Amsterdam (1808--47), and the Maatschappij tot Bevordering der Toonkunst (1829--41). He served on the juries of composition | competitions,
examined organists for church appointments and was Amsterdam correspondent of
AMZ (1814--15). |
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Aus: MDG DTV-Bärenreiter Musiklexikon (1974):
„Die Musik in Geschichte und Gegenwart“
| Wilms, Johann Wilhelm, * 30. März 1772 in Witzhelden (b. Solingen), † 19. Juli 1847 in Amsterdam. Wilms' Vater, von Beruf u. a. Lehrer und Organist, unterrichtete ihn als erster in Musik-Theorie und im Klavier-Spiel. Obwohl er Pfarrer werden sollte, beschloß Wilms, sich ganz der Musik zu widmen. Nach einem Studium, u. a. bei seinem ältesten Bruder Peter Johannes, ließ er sich als Musiklehrer in Lüttringhausen und später in EIberfeld nieder. Er stud. außerdem Flöte und Komposition. Von einer Vergnügungsreise nach Amsterdam schrieb er seinem Vater am 10. Aug. 1791, daß er endgültig in dieser Stadt bleiben wolle. Hier erhielt er Unterricht in Harmonielehre und Komposition von Georg Hodermann. Wilms hatte bald Erfolg als Pianist und Komponist und wurde dadurch auch als Musiklehrer bekannt. Als zweiter Flötist spielte er u. a. in den Orchestern der Maatschappij Felix Meritis sowie der Konzertvereinigungen Eruditio Musica (zu deren Gründern I1796 er gehörte) und Harmonica. Am 15. Dez. 1805 heiratete er Nicoletta Theodora Versteegh (1786 bis 1821); dieser Ehe entstammten zwei Töchter und ein Sohn. Seines Charakters wegen erwarb sich Wilms allgemeine Achtung, und dank seiner Fähigkeiten wurde er bald eine Stütze des Musiklebens in den Niederlanden und speziell in Amsterdam. Bei der Gründung des Koninklijk Nederlandsch lnstituut voor Wetenschappen, Letteren en Schoone Kunsten im Jahre 1808 wurde er zu einem der vier MitgI. der Musikabt. ernannt. 1811 gehörte er zu den Gründern einer Konzertvereinigung, die kurze Zeit in der Munt zu Amsterdam Auff. veranstaltete. In dem 1816 von Jan Hendrik van Kinsbergen ausgeschriebenen Wettbewerb für die Vertonung zweier im Jahre zuvor preisgekrönter Texte für eine Nationalhymne gewann Wilms beide Preise. Das Lied Wien Neerlandsch bloed wurde im 19. Jh. zur offiziösen ndl. Nationalhymne. In einem weiteren, 1820 von der Koninklijke Maatschappij voor Fraaie Kunsten en Letteren zu Gent (zu deren MitgI. Wilms gehörte) ausgeschriebenen symphonischen Wettbewerb errang Wilms mit seinem op. 58 den ersten Preis. Vom 1. Aug. 1823 bis zum 11. Febr. 1846 war er arg. der Vereenigde Doopsgezinde Gemeente zu Amsterdam. Bald nach der Gründung (1829) der Maatschappij tot Bevordering der Toonkunst ernannte ihn die Sektion Amsterdam zum Ehrenmitglied. Wilms war überdies als Examinator für das Orgelspiel tätig und wirkte in vielen Juries zur Beurteilung neuer Kompos. mit, hatte aber auch, u. a. als MitgI. des genannten lnstituut voor Wetenschappen, Letteren en Schoone Kunsten Anteil an der ThemensteIlung für die Ausschreibung kompos. Preise. | Er war ferner an den ersten Bestrebungen, eine Musikschule in Amsterdam zu errichten, beteiligt. Bei Erfindungen im Instr.-Bau und Auseinandersetzungen in Streitfragen (u. a. zwischen J. N. Mälzel und D. N. Winkel) wurde er zur Stellungnahme hinzugezogen. Trotz versagenden Sehvermögens blieb Wilms bis in seine letzten Lebensjahre aktiv. Er starb an Altersschwäche und wurde am 23. Juli 1847 in der Zuiderkerk zu Amsterdam begraben. Eine gründliche Untersuchung von Wilms' Leben und Werk steht noch aus. Obwohl die kompos. Tätigkeit nur eine Nebenbeschäftigung für den außerordentlich aktiven Wilms gewesen ist, bleibt er doch der bedeutendste Komp. der Niederlande in seiner Zeit. Am wichtigsten sind seine instr. Kompos., vor allem die Symphonien, Ouvertüren, Quartette, Trios und Sonaten. Daß sich Wilms weit über den zeitgenöss. Durchschnitt der symphonischen Produktion erheben konnte, zeigen vor allem seine vierte, auch seine sechste und siebente Symphonie. Seine Musik geht stilistisch von der Wiener Klassik Aus, ist aber auch schon durchdrungen von Elementen des Biedermeier und der Romantik. Die größeren Kompos. mögen manchmal an zu großer Ausführlichkeit leiden, doch ist ihnen ein Ton von Spontaneität Wärme eigen, und sie zeichnen sich durch geistvolle, kühne Modulationen, phantasievolle Instrumentation und vortreffliche, wohldurchdachte ThemengestaItung aus, obwohl die Themen selbst meistens nicht besonders eindrucksvoll sind. Unter den Konzerten ragen einige (durch die etwas leere Virtuosität der Solopartie) nicht über den Durchschnitt hinaus, ebenso wenig wie die Var. und kleineren Werke. - Als Pianist zeichnete sich Wilms durch expressive und treffsichere Virtuosität aus. Er beeindruckte vor allem durch seine Improvisationen, scheint aber wenig sicher im Tempo gewesen zu sein. Seine KI.-Werke sind sehr instrumentengerecht komp. - Da das Wilhelmus-Lied in der Version des 18. Jh. (Prinsenmarsch) keinen Anklang fand, wurde das eigens zu diesem Zweck geschriebene Wien Neerlandsch bloed die ndl. Nationalhymne des 19. Jh. Daß das Lied sich in dieser Funktion nicht halten konnte, lag mehr am Text als an Wilms' Melodie, so wenig auffällig diese auch ist, nicht zuletzt aber an der Wiederentdeckung des Wilhelmus-Liedes als heutiger Nationalhymne. |
Literatur: u.a. Phil. Diss. v. Ernst A. Klusen, Univ. Köln (damals in Vorbereitung).
Übersetzung: Christiane Kasten (Text: Luc van Hasselt)
Anmerkung von Christian Starke: * 30. März 1772 - hier wurde das Taufdatum angegeben (das Geburtsdatum ist nicht bekannt)
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BIBLIOGRAPHY
Dr. Ernst A. Klusen: Johann Wilhelm Wilms und das Amsterdamer Musikleben (1772-1847)
(Buren, 1975)
Der Musikwissenschaftler ist Sohn des niederrheinischen
Volksliedforschers Prof. Dr. Ernst Klusen.